“Alles Bouletti?“ Was ist denn das ?

 

 

 

“Moro und Willi“    Unsere Kindergeschichten

 

 

 

“Moro und Frieda“    Unsere Kindergeschichten

 

 

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brief

 

 

 

 

 

 

2003 + 2004 + 2005 ausgezeichnet von  Ars Gourmandi”

 

 

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Rheingaustrasse 1 * 12161 Berlin (Friedenau) * Tel.(030) - 85 40 72 52

 

 

NEU !!!! Unsere Fortsetzungsgeschichte von der “Freifrau Frieda von Friedenau”

 

 

 

Zum Geleit

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie kennen das. Mit Energie und Ausdauer haben Sie sich vorbe­reitet, und dann pas­siert es: Irgendein gewichtiges Er­eignis ver­hagelt Ihnen die Petersilie, sprich: „Alles war für die Katz`„.

Der Autorengemeinschaft dieses Buches schien es ähnlich ergan­gen zu sein. So viele schöne Rezepte, so viel Mühe und Freizeit, und dann das Büchlein gleichen Namens von Norbert Blüm.

Nun gut, was ist schon ein Buchtext unbekannter Autoren gegen ein ex-ministerielles Gesamtkunstwerk? Gewurmt hat das schon, aber sollten wir „Nobbi“ deswegen in eine Auseinandersetzung ziehen? Beim Teu­tates: Es ging doch um nichts Bedeutenderes, als ums Essen.

Mehr als nur ein paar Monate sind inzwischen ins Land gegangen, wäh­rend derer der schon fertige Text auf der Festplatte ruhte. Einige unse­rer Lebensumstände haben sich inzwischen geändert, das örtliche Be­zugumfeld unterlag hauptberufsbedingtem Wechsel, und ein neues Stammrestaurant wurde zu unserem Esszimmer. Die Art seiner Küche ebenso, wie die kaum zu überbietende Herzlichkeit seiner Betreiber brach­ten uns dazu, nun diesem Hause, mitten im schönen Berliner Frie­denau gelegen, unsere Texte zur Verfügung zu stellen: Zum Vergnügen der Gäste und der immer zahlreicher werdenden „Netzkucker“.

Unter einem neuen „Heldennamen“ unserer Hauptfigur, vormaligen Testleserinnen und –lesern noch als Fricka Buhlke aus Neukölln ver­traut, wollen wir Ihnen die Rezepte und die Aben­teuer unserer Heldin näher bringen: Heiter, ein wenig „spinnert„ und abenteuerlich, vielleicht wahr, aber keineswegs bierernst ge­meint.

Auch heute noch, und das bezieht sich die damalige zweite negative Koinzidenz, gibt es BSE. Dieser Krankheitserreger steht aber nicht mehr so im Mittelpunkt des (tages-)politischen Geschehens. Unsere Re­zept­auswahl indes ist so gestaltet, dass Sie über ein Brevier zahlreicher Köstlichkeiten verfügen, deren „Gefährlichkeit“ Sie mit einer bewussten Qualitätsauswahl leicht entgehen. Wenn Sie diesen Hinweis beachten und den „Klops„ nicht als Massen­ware verstehen, dann wird sein Über­leben auch künf­tig ge­sichert sein. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen frohes Lesevergnügen und guten Appetit bei den Bouletten und beim Wein.

Ihre BLOSTA aAG

Alles Bouletti ?

oder

Der Aufstand der Bouletten

Eine nicht nur kulinarische Sittengeschichte der Neuzeit

Vorwort

Zeit und Raum definieren unsere natürliche Orientierung, und so soll denn deren Bestimmung, verehrte Leserin, ver­ehrter Leser, an Stelle eines Prologes Ihnen helfen, sich in der „verrückten„ Welt unserer Heldin zurecht zu finden.

Wir sind in Europa, wenngleich auch andere Regionen und Konti­nente beteiligt sind. Und dass Berlin dabei eine nicht ganz unwich­tige Rolle spielt, liegt daran, dass die Ge­schichte eine Deutsche Geschichte und Berlin daselbst die Hauptstadt ist. Außerdem ist unsere Leitfigur eine typische Berlinerin.

Es dürfte etwa die Zeit des ersten Jahrzehnts des dritten Jahrtau­sends sein, in der sich die Merkwürdigkeiten zuge­tragen, die Her­ausforderungen entwickelt haben, denen un­sere couragierte Hel­din ausgesetzt wird.

Sofern uns bekannte Namen und bekannte Menschen be­gegnen, mögen die Betroffenen sich geehrt fühlen oder uns verzeihen; - letztlich können wir nichts dafür, dass das alles so gekommen sein wird.

Da wir uns ohne Historie kaum zu verorten vermögen, bleibt uns nicht erspart, rasch einen kleinen Rückblick zu unter­nehmen. Be­ginnen wir im Nordosten der Berliner Republik:

1. Kapitel

Der Vorstand der in weiten Teilen des ehemaligen Natogebietes agie­ren­den „GVGG AG„ mit Hauptsitz in Manschen­ha­gen (MV), de­ren Firmen­kür­zel für „Gesell­schaft zur Ver­marktung gewinn­brin­gender Ge­schmacklo­sigkeiten„ steht,  hatte seine Sitzung erfolg­reich beendet. Die Sparten „Öle und Leime„, „Pappe und Holz„, „Separato­renprodukte„ und „Tierfutter„, die tra­genden Wachstums­bereiche des Kon­zerns also, hat­ten sich trotz eines kurzfristigen Absturzes wegen einer sog. BSE-Seuche erfolg­reich gegen­über der noch jungen Un­ternehmenstochter „Ge­sundheit und Image­pflege„ durchsetzen können. Schließlich wurde an je­nem 11.11. nichts Un­bedeu­tenderes beschlos­sen, als die totale Globalisierung im Bereich der nomi­nell immer noch der EG-Richt­linie „Frisches Fleisch„ unterlie­genden Fastfoodversor­gung der Welt mit fla­den­förmigen Produkten an­zustreben. Eingedenk der Erfah­rungen, die die Deutsche Bank einige Zeit vorher mit der Einfüh­rung der Aktien von Borussia Dort­mund machen sollte, brachte dieses damals schon nicht nur natio­nal agierende Geld­haus die GVGG-Aktien aufs Par­kett.

Die Reaktion der Börsen in Tokyo, New-York, London, Pa­ris, Ma­drid und Frankfurt war überwältigend. Kursanstiege bis zu 500% waren keine Sel­tenheit, und die alten „Macs„ und „Burgers„ be­gannen zu zittern. Die Ana­lysten und Fondma­nager hatten zwar Wertzu­wächse vorhergesagt, aber die un­geheuerliche Dimension der Kurssprünge blieb lange Zeit ein Rät­sel.

So­ziologen sollten später herausfinden, dass die willige Identifika­tion vor allem der vielen Kleinanleger mit dem Produkt das wahre Ge­heim­nis dieses Booms war. Seltsam genug, indes, wer wollte dieser Er­kenntnis ernst­haft wider­sprechen?

Die Operation war gründlich vorbereitet worden. Fast ein Jahr lang hatte die in Ernährungskreisen berüchtigte Con­sultingge­sell­schaft „Meat-Re­search„ die Nahrungsaufnah­megewohn­heiten der Welt­bevöl­kerung un­ter­sucht. Sogar in den entle­gensten Winkeln der Erde wur­den Kühlge­räte in­stalliert, viel­fach mit eigener Strom­ver­sorgung, um die Re­aktion auf den „World-Wide-Whopper„ zu che­cken. Millio­nenfach wurde www.WWW.com angeklickt.

Im aufstreben­den Südostasien ebenso wie in zahlreichen tota­litä­ren Staaten wichen die sonstigen Großflächen­pla­kate der Herr­scher den giganti­schen Werbetafeln des WWW.

Böse Zun­gen be­haup­teten so­gar, der Konzern gehöre zu jenen geheimen Spendern, die ein ehemali­ger Kanzler in Deutschland nicht preis­geben wollte.

Auch hartgesottene Verbraucherinnen und Verbrauchern von zwar ge­schmacklich nicht überwältigenden, aber bis­weilen we­nigstens natürli­che Beigaben verwendenden Re­gionalküchen wurden wer­bemäßig at­ta­ckiert, sodass sogar auf Mallorca im Bal­lermann we­der Eisbein noch Rheinischer Sauerbraten, we­der Erbspüree noch Weisswürschtl fürder­hin „in„ waren.

Eine gewaltige Revolution im Essverhalten der Menschheit hatte be­gon­nen, und die gelegentlichen Proteste von Kü­chen­herstel­lern, Fein­kost­ge­schäften und Restaurants wur­den als unverständ­liche Quer­schüsse von ewig gestrigen Weltverbes­serern abgetan.

Am schlimmsten war aber, dass sich nach und nach nicht nur die Mägen, sondern auch der Darm der Mehrheit der Weltbevölke­rung aufgrund kleiner, unidentifizierbarer Beigaben zum Rohpro­dukt auf den Whopper dauerhaft einzustellen begannen. Ko­schere Whopper und auch solche, die den Regeln des Ramadan nicht zuwider liefen, schafften, so behauptete die Werbeabteilung von WWW, ein Völker verbindendes Element.

WWW prägte Baustile in den USA (wo sonst?), veranlasste die Ja­pani­sche Autoindustrie zu völlig neuartigen Konstruk­tionen und be­einflusste die Kunst- und Kulturszene in den Metro­polen der Welt derart, dass der „Neo­wewewewismus“ sich zur bedeu­tends­ten Richtung des beginnenden 21. Jahrhunderts entwi­ckeln sollte.

China wurde von Hongkong aus überrollt, die Olympischen Spiele wur­den durch die „Whopper-Games“ ersetzt (mit vielen neuen plat­ten Sport­arten) und das Design der Internationa­len Raumsta­tion wurde den neuen Bedürf­nissen angepasst.

Dass die alte Kalorie jetzt „whop„ hieß und fast alle derben Wörter für die geschlechtliche Vermehrung von „whoppen„ er­setzt wurde, das sollte später von der Ständigen Konfe­renz der Kultusminister (KMK) vom 20.04.2012 end­lich zum Beschluss erhoben werden; - amtlich quasi und ohne Volks­be­fra­gung. Aber wie fast immer, die KMK hinkte den tat­sächlichen Ereig­nissen weit hinterher.... .

 

 

 

 Rezept:      Die Berliner Boulette

 

 

 

2. Kapitel

Der Erfolg hat viele Väter (und Mütter), doch nach den vorlie­gen­den Er­kenntnissen, die verbrieft sind, war es die Berlinerin Frei­frau Frieda von Friedenau aus Friedenau, die wohl als erste im Wortsinne die „Schnauze voll hatte„. Ur­sa­che dafür war, dass der inzwischen in jedem Haushalt unentbehrli­che, teils bereits mit Solarstrom be­triebene WWW-Präparator, der natür­lich auch aus dem Hause der GVGG-AG stammte und in vielen Varianten bis hin zum Modell „Senator„ für die Ver­wendung durch den Butler auf dem Markt war, kurzum, dass dieses Gerät versagte. Da half kein Rüt­teln und kein Klopfen. Auch Aufschrauben ging nicht, denn das Geräte­gehäuse war sinni­ger­weise verschweißt.

Frieda von Friedenau war eine praktisch veranlagte Frau. Nicht, dass sie mit in­tellektueller Skepsis die Entwicklung der Nah­rungs­zu­berei­tung ver­folgt hätte; nein, blieb ihr doch so ge­nügend Zeit, die vie­len interes­santen Frau­enzeitschriften zu studieren, die ihr vom Frisör um die Ecke stets nach Ablauf einiger Wochen über­lassen wurden. Unentgeltlich, denn Frieda von Friedenau war kei­neswegs wohl­habend und GVGG-Aktien besaß sie schon gar nicht.

Obwohl sich gewöhnlicher Alkohol in Gestalt einer Literfla­sche Doppel­korn bei Frieda von Friedenau selten länger als drei bis vier Tage hielt, fiel ihr in ihrer Ratlosigkeit, die sich ihrer an­gesichts des tech­nischen Dramas mit dem Whopper-Präpa­rator be­mäch­tigt hatte, vielleicht aber auch aus an­deren Gründen ein, dass sie doch so ei­nen kurzen Bericht über so­ge­nannte Bou­letten gelesen hatte. Sie dachte nach. Ja, in der Frau im Bild - Aus­gabe vom Juni 2000 musste das ge­wesen sein.

Dass es dann die Mai-Ausgabe 1998 vom Goldenen Blatt war, in der ein schlichtes Boulettenrezept abgedruckt war, dürfte für die weitere Ent­wick­lung keine große Rolle spielen. Offenkundig an die für eher be­schränkt ge­haltenen Gattin­nen von Subalter­nen aus Bonn gerichtet, stand nachzule­sen, wie man sich in Berlin Freunde macht. Mit Berliner Bouletten für die Nachbarn, die Kol­leginnen und Kollegen.

Und falls Ih­nen, geneigte Lese­rin, geneigter Leser, das zu­tref­fende Rezept ge­rade nicht zur Hand ist, hier finden Sie, bevor wir Sie über den Fortgang der Geschichte informieren, die wohl gän­gigste Variante:

Irgend etwas war mit den Bouletten nicht in Ordnung, die Frieda von Friedenau nach dem vorstehenden Rezept zu fertigen sich an­schickte. Vielleicht lag es daran, dass sie unentwegt versuchte, den Fleisch­pflanzerln eine fla­che Form zu geben. Sie war es ja so gewohnt. Kurzum, die drei ro­hen, kugel­för­migen Hack­fleischge­bilde wider­setzten sich jedweder Flach­formgebung. Selbst als Frieda von Friedenau die Ballen zwischen zwei großen Holz­bret­tern zu­sam­mendrücken wollte, formten sich die Men­gen bei nachlassendem Druck wieder rund. Beim dritten Anlauf brach der Griff vom oberen Holz­brett ab, und Frieda nahm ei­nen gro­ßen Schluck aus der Pulle.

Nun ist ja nicht unbekannt, dass der Konsum von Alkohol zu halu­zi­na­ziösen Wahrnehmungen führen kann. Bei Frieda von Friede­nau stellten sich diese als zunächst leise, dann recht ein­dringliche Stimmen dar, die mit­ten aus den immer noch ro­hen Fleischballen zu kommen schienen. Um sich Klar­heit über das Gesagte zu ver­schaffen, öffnete Frieda eine neue Flasche und nahm einen wei­teren kräftigen Schluck. Ungeheuerli­ches, Unerhörtes wurde sie danach gewahr:

Der Hackfleischkloß, der links vorne lag, entwickelte in der ge­konnten Rhetorik eines demagogisch geübten Kundge­bungs­red­ners gerade die verschiedenen Varianten zur Or­ganisation einer Widerstandsbewegung ge­gen die täglich milliardenfache Zusam­mendrückung der „Brüder und Schwestern„ im Präpara­tor.

Er scheute bei seinen dramatischen Schilde­rungen dabei vor histo­ri­schen Bildern nicht zurück, wiewohl ihm der ei­gentliche Hinter­grund des Boxer­aufstandes ein wenig aus den Realitäten zu gleiten schien. Indes, die Er­mordung des Deutschen Ge­sandten Frei­herr von Ketteler taugte als Meta­pher für die Ket­ten, die es zu sprengen gelte, und „yi-he-quan„ wurde zur Zau­berformel für pas­siv sich formie­ren­den Wider­stand.

Die Neugier der beiden anderen Klopse in Frieda von Friedenaus Kü­che wusste der Redner geschickt auch noch dadurch auf dem Siede­punkt zu halten, dass er bei seinem Ausflug in die Historie von vor über 100 Jahren nun gleich noch ein Origi­nalrezept der chinesi­schen Brüder und Schwestern vortrug, sozusagen eine Referenz an die glücklichen, alten Zeiten.

Wenn auch die weiteren historischen Ausführungen weniger von Be­deu­tung waren, so scheint es doch geboten, hier we­nigstens die Re­zep­tur der yi-he-tuan, wie sie eigentlich hie­ßen, vor dem völligen Ver­gessen zu be­wahren:

Rezept  2

Yi-he-tuan-Bouletten

Zutaten für ca. 4 Portionen:

300 g Hähnchenbrustfilets

50 g rote Paprikaschote

30 g Schalotten

2 Knoblauchzehen

40 g frische Ingwerwurzel

½ Bund Koriandergrün

30 ml Sesamöl

Pfeffer, 2 Eigelb (Kl. L)

Salz

Zubereitung:

Das Hähnchenbrustfilet durch die mittlere Scheibe des Fleisch­wolfs drehen. Paprika waschen, schälen, entkernen und fein wür­feln. Schalotten  und Knoblauch pellen und fein würfeln. Korian­dergrün abzupfen und fein hacken.

20 ml Öl in einer Pfanne erhitzen. Knoblauch und Schalotten darin andünsten. Ingwer dazugeben und ebenfalls andünsten. Mit Pfeffer und Koriander würzen. Die Mischung mit dem Eigelb zum Hähn­chenfleisch geben und alles gut miteinander vermengen. Mit Salz abschmecken und zugedeckt etwas stehen lassen.

Mit einem Eisportionierer aus dem Hackfleisch Buletten formen. Das restliche Öl erhitzen, die Buletten in die Pfanne geben und bei milder Hitze von jeder Seite 5-6 Minuten braten.itze von jeder Seite 5-6 Minuten braten.

Die kämpferischen Reden in Frieda von Friedenaus Küche blei­ben nicht ohne Re­aktion, denn die beiden anderen „Kollegen„ wa­ren so hin­gerissen, dass sie ihrerseits nun in ihrer Ver­gangen­heit nach An­knüpfungspunk­ten für passi­ven Wider­stand such­ten. Das mag verwundern, wenn man be­denkt, dass sie doch wahrschein­lich aus ein und demselben abge­pack­ten Sonderan­gebot stamm­ten, das Frieda von Friedenau ein­gedenk ihres nicht üppi­gen Budgets beim Super­markt um die Ecke gekauft hatte. In­des, die Verwun­derung findet ihre Auflösung in der zu dieser Zeit üblichen globa­len Sepa­rator­en­fleischvermengung, die auch der Verschleie­rung der Her­kunft aus immer wieder einmal proble­matischen, weil krank­heits­befallenen Gebie­ten diente. Ob Rin­der­wahnsinn oder Schweine­pest, was im­mer nicht des Stem­pels der Fleisch­beschau bedurfte, wurde gna­denlos zusam­menge­karrt, vermanscht, ge­würzt, fer­mentiert und ho­mogeni­siert. Dabei stan­den die Ingre­dienzien der Behandlung allein deswegen im Vordergrund aller Produktionsar­beiten, weil vor al­lem die einheitliche Geschmacksi­dentität den weltwei­ten Ab­satz des Produktes sicherte. Verständ­lich, denn dort, wo man fremd ist, fühlt man sich doch gleich si­cherer, wenn man auf Vertrautes zu­rückgreifen kann. Gut also zu wissen, wo im Hotel die Minibar ist, dass der Klops flach zu sein hat, und dass die Cola im­mer gleich schwarz-braun ist.

Der zweite Hackfleischkloß, der hinten in der Mitte lag, wollte sei­nem Vor­redner nun in nichts nachstehen und begann daher, aus der bewegten Zeit sei­ner Vorfahren in Frankreich zu berichten. So leb­haft und bild­reich, wie er dies tat, hätte man meinen kön­nen, er habe selber an der großen Revolu­tion teilgenommen.

Frieda von Friedenau, die vor lauter Neugier die ganze Zeit über völlig ver­ges­sen hatte, ihren Alkoholspiegel zu stabilisieren, hätte sich gerne aufge­rafft, um dem Spuk ein Ende zu be­reiten. Aber der hartnäckige Wider­stand der Klopse hatte sie vorsichtig werden lassen. Außerdem fand sie die Situation ausgespro­chen span­nend, wie­wohl sie befürchtete, beim nächsten Frisör­besuch werde ihr ohne­hin Keine und Keiner auch nur ein einzi­ges Wort glauben.

Immerhin schaffte sie es aber, mit dem Blei­stiftstummel, den sie sonst für ihre Kreuzworträtsel benutzte, einige Stichworte zu notie­ren, die sich auf die Zubereitungsart französischer Bouletten bezo­gen.

Dass die Rezeptur gerade im Zusammenhang mit Gleichheit in die bewegten Schil­derungen einfloss, hätte man­chem Ana­lytiker Anlass zur Skepsis gebo­ten. Frieda von Friede­nau war da ganz an­ders.

Rezept 3

Französische Bouletten   

Zutaten für ca. 4 - 6 Personen:

1 Bund Thymian

50 g durchwachsener Speck

1 kleine Zwiebel

400 g gemischtes Hackfleisch

2 Eier (Kl. M)

50 g Semmelbrösel

Salz, Pfeffer

30 g Butter

Öl zum Braten

Zubereitung:

Thymian abzupfen. Den Speck und die Zwiebel sehr fein würfeln.

Den Speck mit der Zwiebeln in der Butter glasig andünsten.

Hackfleisch, Thymian, Eier, Speck-/Zwiebelmischung und Semmel­brösel in eine Schüssel geben und mit Salz und Pfeffer würzen.

Alles zu einem glatten Teig verkneten.

Aus dem Teig mit feuchten Händen ca. 16 gleich große Frikadel­len formen, auf einen geölten Teller legen und ca. 20 Minuten ru­hen lassen.

Das Öl in eine Pfanne erhitzen und die Bällchen auf jeder Seite ca. 4 - 6 Minuten goldbraun braten.

Der zweite Kloß hub gerade an, lange und wortgewaltige Aus­füh­rungen zum Begriff der Brüderlichkeit zu machen, als der dritte im Bunde sich kess einmischte. „Ideale„, so wandte er ein, „Ideale sind was für Träu­mer. Wir in Südame­rika haben uns solche Ro­mantik längst von der Backe ge­putzt. Was zählt, ist Macht und die kommt aus den Kalasch­ni­kows. Alles andere ist Garnitur, ist Mar­keting und dient der Manipula­tion. Ja, Brü­der, so ist die Welt, in der wir leben.

In der sich nun entwickelnden, lautstarken Diskussion der drei Klopse prallten Kulturen, Meinungen und politische Glaubens­be­kenntnisse auf­ein­ander, wie sie vielfältiger und sich wider­spre­chender gar nicht sein konn­ten. Und immer wieder war es der feu­rige Südamerikaner, der mit seinem Gewehrlaufpragma­tismus die Auseinandersetzung anheizte. Be­scheid schien er zu wissen und das setzte er auch ge­schickt ein, als der Fran­zose von den Vortei­len einer welt­weiten Boulettenbrüderlich­keit zu schwärmen be­gann. „Alles Show„, so kommentierte er den ka­pitalen Castrotou­rismus, dem sich selbst solche Hardliner wie der ehemalige Deut­sche BDI-Prä­sident nicht entziehen zu können glaub­ten. „Worum geht es denn wirklich, Brüder? Es geht um Macht und Geld, um Ab­satz­märkte und Mono­pole! Unsere täg­lich ge­quälten Mitbrü­der, die stündlich millio­nen­fach zu Flach­köpfen gemacht werden, sie sind es, die mit dem Er­lös aus ih­rer Ver­mark­tung die beherr­schende Stellung von WWW begrün­den. Seht sie Euch an, die weltweit geplätteten Fla­den der Gleich­heit, gleich im Gewicht, gleich in der Form und gleich im Ge­schmack! Global austausch­bar und ohne Identität.„

Frieda von Friedenau verstand nun gar nichts mehr. Alles, was da ge­sagt wurde, überstieg ihr BZ-Wissen bei weitem, und hätte sie sich nicht ei­nen Rest natürlicher Pfiffigkeit bewahrt, wäre die Analyse des Weltge­schehens aus der Sicht der Boulette wahr­scheinlich nie of­fenbar ge­wor­den. So aber, nach einem kräfti­gen Schluck, durch die Wirkung des Al­ko­hols von man­cher Hemmung befreit, sprach sie die drei Klopse di­rekt an. Um nicht ganz un­höf­lich zu wirken, unter­drückte sie dabei ihren Berliner Dialekt, - so­weit es ihr mög­lich war. „Ick verstehe die janze Auf­regung nich. Wat hat denn die Boulette mit die Politik zu tun? Ma werden doch alle satt von die WWW-Dinger, und et ist doch die Bevöl­ke­rung ejal, ob ihr platt seid oder nich, wa?„

Erschrocken über ihren eigenen Mut und erschöpft von der Kom­plexität ih­rer Rede konnte Frieda von Friedenau die Reaktion auf ihre Ti­rade erst wahr­neh­men, als sich der Klops von links vorne mit freundlichen Worten an sie wandte:

„Verehrte gnädige Frau, ich darf Ihnen versichern, dass so noch nie ein Mensch zu uns gesprochen hat. Wir werden bei unserer Konfe­renz Ihre Worte wohl bedenken und gewich­ten. Das haben mir die Herren Kol­le­gen soeben ausdrück­lich versi­chert und mich gebeten, Ih­nen die Schirmherrschaft über un­sere künftigen Akti­vitäten anzu­tra­gen. Ich weiß, dass Sie das überrascht. Bitte stel­len Sie uns für eine Weile in den Kühl­schrank und überdenken Sie unser Ansin­nen. Es soll auch nicht ohne Vorteil für Sie sein, wenn Sie unserer Bitte Folge lei­sten. Viele un­bekannte, in Vergessen­heit ge­ratene Rezepte, quasi un­ser Sippenge­heimstes, wol­len wir Ihnen offenba­ren. Unsere Revolution braucht eine be­herzte Prota­gonistin; - Ver­zeihung: Vorreiterin. Ich danke Ihnen.„

Warum die Freundlichkeit der Rede Frieda von Friedenau auf ei­nen Schlag nüch­tern und misstrauisch zugleich werden ließ, kann heute nicht mehr geklärt werden. Entschlossen griff sie nach dem Holzbrett mit den drei Klopsen. „Bevor ick Euch kalt stelle, will ick ma hörn, wat Ihr denn für tolle Rezepte uffzutischen habt.„ Und so kam es, dass die Herstellung von Preußischen Bouletten notiert werden und nicht einmal ein Jahr später ei­nen kuli­na­rischen Sie­geszug durch die ganze Welt an­treten konnte. Doch dazu später.

Rezept 4 (1)

Preußische Bouletten

Zutaten für ca. 30 Stück:

250 g Kassler, im Stück und ohne Knochen

500 g mageres Schweinefleisch

100 g Weißbrot ohne Rinde

4 El. Heiße Milch

2 kleine Eier

2 Bund Petersilie

Lemonpepper oder Pfeffer und etwas abgeriebene Zitronenschale

Salz

2 Pakete Pflanzenfett

Zubereitung:

Schweinefleisch und Kassler durch den Fleischwolf drehen (feine Scheiben). Weissbrot ohne Rinde in kleine Würfel schneiden, die heiße Milch darüber gießen, gut mit dem Brot verkneten, dann zum Fleisch geben. Eier und die Petersilie untermischen, mit Le­mon­pepper und eventuell Salz pikant ab­schmecken.

Den Teig etwas ruhen lassen, dann 30 kleine Bällchen daraus for­men.

Pflanzenfett auf 180 °C erhitzen. Am besten nur 5 oder 6 Bällchen auf einmal hineingeben und in ca. 5 Minuten rundum knusprig braun ausbac­ken, herausfischen, auf Küchenkrepp abtropfen las­sen und auf Salatblätter an­richten.

Bevor die nächste Portion ausgebacken wird, muss das Fett wie­der auf 180 Grad erhitzt werden.

Getränkempfehlung:

Köstritzer Schwarzbier

Rezept 4 (2)

Preußische Bouletten

Zutaten für ca. 4 Personen:

40 g Weizenbrot vom Vortag

300 g Zwiebeln

80 g durchwachsener Speck

1 kleines  Bund  Dill

800 g Schweinenacken

Pfeffer

2 Eier (Kl. M)

Salz

30 g abgetropfte Kapern

3 EL ÖL

Zubereitung:

Das Brot in lauwarmem Wasser einweichen. Die Zwiebeln pellen und fein würfeln. Den Speck fein würfeln. Die Dillästchen von den Stielen zupfen und zerschneiden. Das Fleisch in grobe Stücke schneiden und mit Pfeffer würzen. Das Brot gut ausdrücken und mit dem Fleisch durch die mittlere Scheibe des Fleischwolfs dre­hen.

Das Hackfleisch mit den Eiern mischen, mit Salz, dem Dill und den Kapern würzen. Mit nassen Händen aus der Farce ca. 8 gleich große Buletten formen, mit Folie zudecken und kalt stellen.

Das Öl in einer Pfanne erhitzen,. Die Buletten darin von beiden Seiten ca. 4-6 Minuten goldbraun braten.

Getränkempfehlung:

Pils

 

 

Wenn Sie mögen, geht es hier bald weiter ......

 

 

 

“Berliner Buffet“       So ist es fein !

 

 

 

Berliner Morgenpost  v.03.09.03 - Kulinarische Deutschlandreise

 

 

 

TIP edition Berliner Speisekarte 2004

 

 

 

Unser Rezept bei Radio RBB Stadtradio 88,8                     “Rinderroulade a´la Friedenau

 

 

 

 

 

 

 

 

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